Terror-Versicherung: Das Geschäft mit der Angst | Deutschland | DW

 In U.S.
22. Juli 2016: Der 18-jährige Schüler David S. erschießt im und am Olympia-Einkaufszentrum in München Kinder und Jugendliche. In der ganzen Metropole herrscht danach Ausnahmezustand. Die Münchener Polizei sperrt das Einkaufszentrum und umliegende Bezirke und verfolgt mit Hochdruck den Täter. Doch der vermutete Terroranschlag entpuppt sich als Amoklauf eines rechtsextremen Einzelgängers. Neun Menschen sterben. Nur zwei Tage später zündet ein syrischer Flüchtling vor einem Lokal in Ansbach in Bayern eine Bombe. Bei dem Anschlag werden 15 Menschen verletzt, der 27-jährige Attentäter kommt dabei ums Leben. Später wird bekannt, dass er Verbindungen zur Terror-Organisation “Islamischer Staat” hatte.

Verfolgungsjagd durch Berlin

19. Dezember 2016: Gegen 20 Uhr steuert der islamistische Attentäter Anis Amri einen LKW auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Elf Besucher sterben, mehr als 50 Menschen werden verletzt, einige lebensbedrohlich. Während der Verfolgungsjagd werden die Straßen rund um den Platz an der Berliner Gedächtniskirche gesperrt. Der Weihnachtsmarkt bleibt geschlossen.

Terrorwaffe LKW bei Berliner Weihnachtsmarktanschlag (2016) (picture-alliance/rtn-radio tele nord rtn/P. Wuest) Terrorwaffe LKW bei Berliner Weihnachtsmarktanschlag (2016): Unkalkulierbares Risiko

Nach diesen Anschlägen ist innerhalb kürzester Zeit die Angst vor weiteren Terroranschlägen in Deutschland gewachsen. Viele sind der Ansicht, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, wann ein noch größerer Terrorakt passiert. Innenminister Thomas de Maizière schätzt die Zahl der gewaltbereiten Salafisten auf 690 – so viele Gefährder wie nie zuvor. “Wir müssen davon ausgehen, dass mit weiteren Anschlägen durch Einzeltäter oder durch Terrorkommandos auch in Deutschland gerechnet werden muss”, so de Maizière.

Gerhard Heidbrink (Extremus AG) Extremus-Chef Heidbrink: “Hohes Bedrohungsrisiko”

Ein Bedrohungspotenzial, das die Versicherungswirtschaft bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA entdeckt hat. Die Nachfrage steigt, bestätigt Gerhard Heidbrink, Vorstandsvorsitzender der Extremus Versicherungs-AG. Im Jahr 2004 hatte der Versicherer eine Gesamtversicherungssumme von 410 Milliarden, die bis heute auf eine Versicherungssumme von 670 Milliarden Euro angestiegen ist. Schon damals habe man das Bedrohungsrisiko hoch eingeschätzt, und die Zahlen der Versicherungs-AG zeigten, dass das Bedrohungspotenzial und der Wille, solche Versicherungen abzuschließen, gestiegen seien, so Heidbrink im DW-Interview. Nach den Terroranschlägen in Paris 2015 seien die Versicherungssummen deutlich gestiegen. Der Versicherer verzeichnete in diesem Zeitraum einen Anstieg von rund 25 Prozent, sagt der Extremus-Chef.

Seit gut 15 Jahren gibt es spezielle Terrorismusversicherungen. Die Extremus Versicherungs-AG wurde von den führenden deutschen Versicherungsgesellschaften – von A wie Allianz bis Z wie Zurich – gegründet. Die Gesellschafter decken zusammen Versicherungssummen ab 25 Millionen Euro und privatwirtschaftlich Sachschäden durch terroristische oder politisch motivierte Taten in Deutschland sowie daraus resultierende Betriebsunterbrechungen bis zu 2,5 Milliarden Euro. Für höhere Gesamtschäden wurde mit der Bundesregierung eine Staatsgarantie vereinbart. Somit stehen als Höchstentschädigung insgesamt zehn Milliarden Euro pro Jahr für Terrorschäden zur Verfügung. Die Entschädigung der Anschlagsopfer ist kein Bestandteil der Deckung von Extremus. 

Umdenken nach 9/11

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