ESC 2018 – Finale in Lissabon: Das sollten Sie zum Eurovision Song Contest wissen

 In U.S.
In Lissabon kämpfen heute Abend (ab 21 Uhr live im Ersten) 26 Finalisten um den Sieg beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC). Für Deutschland geht bei dem internationalen Musikwettbewerb Michael Schulte mit seiner Ballade „You Let Me Walk Alone“ ins Rennen.

Lesen Sie hier Fakten zum Mitreden:

Das anrührendste Ereignis

Als vor einem Jahr Salvador Sobral mit „Amar Pelos Dois“ den Eurovision Song Contest gewonnen hatte, hielt er eine bemerkenswerte Kampfrede. „Wir leben in einer Zeit von Wegwerfmusik, mit Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt. Musik soll etwas bedeuten“, rief er. „Musik ist kein Feuerwerk, Musik ist Gefühl. Also lasst uns das ändern und Musik zurückbringen.“ Dafür gab es in der ESC-Welt nicht nur Applaus und Zustimmung.

Prompt haben sich nicht viele daran gehalten, die nun in Lissabon im Finale antreten. Immerhin hat der Anteil der Texte in Landessprache deutlich zugenommen. Wer sein Serbisch, Ungarisch, Slowenisch durch Mitsingen ausprobieren möchte, hat dazu Gelegenheit. Trotzdem wird es der anrührendste Teil des Finales sein, wenn Sobral hoffentlich auftritt. Geplant ist ein Duett mit der brasilianischen Legende Caetano Veloso.

Denn der schwer herzkranke junge Mann musste drei Monate nach dem ESC, wie er es ausdrückte, „meinen Körper der Wissenschaft übergeben“. Er bekam im Winter ein Spenderherz eingesetzt, erlitt kurz ein Nierenversagen und erholt sich nun langsam.

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10.05.2018, Lissabon, Portugal: Melovin aus der Ukraine im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contests mit dem Lied «Under The Ladder» auf der Bühne. Das Finale findet am 12. Mai 2018 statt. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Vor einigen Wochen trat er in der Öffentlichkeit auf, wackelig, in sich gekehrt und melancholisch wie beim Sieg. Und so ziemlich das Erste, was Sobral sagte, war, dass er die diesjährigen ESC-Songs nicht mag. Er habe Nettas Hühnergacker-Elektropop-Lied „Toy“ angeklickt, „und heraus kam etwas Schreckliches“. Auch das sehen viele ESC-Fans komplett anders.

Die möglichen Sieger

Netta aus Israel

„Toy“. Der Beitrag aus Israel hatte lange unangefochten die besten Siegeschancen, sowohl bei Google-Abrufen als auch bei den Buchmachern, deren Einfluss in den vergangenen Jahren enorm gestiegen ist. Die 25 Jahre alte Netta aus Tel Aviv hat in ihrer Wucht und Exaltiertheit viel von Beth Ditto und begeistert von Anfang an. Es gehört vielleicht nicht allzu viel Traute dazu, beim ESC mit diesem Psycho-Chicken von Song anzutreten, weil eben alles, alles schon mal da war. Aber das Armewackeln und die kraftvolle Performance muss man erst mal hinkriegen.

dpatopbilder - 08.05.2018, Lissabon, Portugal: Netta singt für Israel im ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest das Lied
Psycho-Chicken-Gegackere: Auch Netta aus Israel könnte siegen

Quelle: dpa

Sollte Netta siegen, exakt 20 Jahre nach Dana Internationals Triumph beim ESC, wäre das zumindest kein Unfall oder eine grottige Euro-Trash-Lösung. Allerdings ist die für solche Siege nötige Zustimmung Osteuropas fraglich. In „Toy“ kommen Zeilen wie „Ich nehme mein Pikachu mit nach Hause / du bist so dumm wie dein Smartphone“ vor, und dann heißt es fröhlich „Kulului, kulului“, „Pam pam pa hoo, turram pam pa hoo“ und „Baka-bakum…bak-bak bakumbai“.

Eleni Foureira aus Zypern

„Fuego“. Mittlerweile ist schärfste Konkurrenz dazugekommen. Schon vor dem ersten Halbfinale stieg der Beitrag aus Zypern in der Gunst. Die Show am Dienstag tat ein Übriges. Dabei war die 31-jährige Eleni Foureira nur dritte Wahl und kam auf Umwegen zum ESC. Eigentlich ist sie ein Popstar in Griechenland.

Der Beitrag lebt mindestens zur Hälfte von der Show. Foureira wackelt von der ersten Sekunde an überdramatisch mit den Hüften wie beim Shakira-Ähnlichkeitswettbewerb in Bad Oeynhausen. Später wirft sie die langen Haare wie Beyoncé umher, links, rechts, Mähnenpower. Das könnte Europa-umspannend Einigung auf hohe Punkte bringen.

Cyprus's Eleni Foureira performs
Eleni Foureira in Action

Quelle: REUTERS

Übrigens steht Eleni Foureiras deutliche Schlankheit im Gegensatz zum gesunden Körpermaß des diesjährigen Wettbewerbs. Die meisten Sängerinnen und Sänger sind Curvy Models.

Madame Monsieur (Frankreich), AWS (Ungarn) und Alexander Rybak (Norwegen)

Das Duo Madame Monsieur besingt ein Flüchtlingsschicksal. Émilie Satt und Jean-Karl Luca haben mit „Mercy“ einen ordentlichen Song gebaut, der sich ins Ohr säuselt, ohne allzu aufdringlich zu sein. Der Text erzählt vom Mädchen Mercy, das im Mittelmeer auf einem Flüchtlingsboot zur Welt kommt. Zumindest auf den vorderen Plätzen könnte Frankreich damit landen.

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